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Kolumne
Christian Planer
Olympische
Spiele 2008
31.10.2008
Schon mal vorab,
nicht alles war
so wie es
schien, trotzdem
waren die
olympischen
Spiele in
Peking mehr als
imposant. Mit
den nächsten
Zeilen möchte
ich euch einen
kleinen Einblick
hinter die
Kulissen der
Spiele geben und
euch von meinen
Eindrücken
abseits der
Wettkampfstätte
erzählen.
Habt ihr die
Eröffnungsfeier
mit verfolgt?
Ein Prunk Ende
nie, über
mehrere Stunden
jagte ein
Highlight das
andere und zum
Abschluss gab es
ein noch nie da
gewesenes
Feuerwerk, das
sich sehen
lassen konnte.
Wir
Sportler blicken
meist mit einem
weinenden und
einem lachenden
Auge auf die
Eröffnung.
Als der Showdown
im National
Stadion begann,
nahmen alle
Nationen
erstmals
Aufstellung im
Olympischen
Dorf. Dann hieß
es Warten:
Warten im Bus
bis er los fuhr,
und nach der
Busfahrt am Ziel
angekommen,
warten bis wir
aussteigen
konnten. Bevor
wir in das
Olympiastadion
einmarschierten,
hieß es Platz
nehmen im
National Indoor
Stadion, um auf
unseren Aufruf
zu warten.
Drei Stunden
vergingen, aber
das Erleben
eines der
wichtigsten
Ereignisse der
Sportlerkarriere
war immer noch
eine fast
kilometerlange
Menschenschlange
entfernt.
Der Weg vom
Stadion, indem
die Turn- und
Gymnastikdisziplinen
stattfanden, ins
Olympiastadion,
war links und
rechts gesäumt
von Volunteers,
die uns
Wasserflaschen
reichten und
Sportbegeisterten,
die sich das
eine oder andere
Foto mit Stars
der Sportwelt
einheimsten.
Nur mehr 100m
vor unserem
Auftritt
entfernt,
konnten wir
durch die
„Katakomben“
Blicke in das
Innere erhaschen
und das Brodeln
der 90.000
Zuschauer lies
uns das eigene
Wort nicht mehr
verstehen...
„Autriche“,
„Austria“, „Aodili“
hieß es aus den
Stadionboxen...
Gänsehaut
pur und ein
unbeschreibliches
Gefühl waren
nicht nur der
Lohn für unser
stundenlanges
Warten, sondern
auch für das
jahrelange
Training und den
Verzicht auf so
manches...
Die Stimmung im
Pekinger
„Vogelnest“
während dem
Einmarsch ist
vom Anfang bis
zum Ende mit
Superlativen zu
beschreiben.
Getoppt wurde
dies nur, als
Yao Ming, der
2,26m große
NBA-Star aus
China, samt
Flagge des
Gastgeberlandes,
den Boden des
Stadions betrat.
Nicht
nur die Stimmung
im Stadion ist
mit Superlativen
zu beschreiben,
auch die
Temperatur gab
manchem die
Möglichkeit die
Belastbarkeit
seines Körpers
zu testen. So
wie Katerina
Emmons, die
einen Tag später
mit 400 Ringen
für Furore
sorgte und die
erste
Goldmedaille
Peking 08
gewann, hätten
sich zu diesem
Zeitpunkt auch
die chinesischen
Volunteers eine
Medaille
verdient. Obwohl
jede der in weiß
gekleideten
Chinesinnen nur
mit einer
kleinen Flasche
Wasser
„bewaffnet“ war,
teilten sie mit
uns Sportlern,
das in diesen
Stunden äußerst
kostbare Gut.
Einige von ihnen
bezahlten ihre
Hilfsbereitschaft
mit einem
Kreislaufkollaps
und brachen
zusammen. Dank
der
Aufmerksamkeit
der Sportler und
vor allem der
Teamärzte konnte
rasch geholfen
werden und
niemand kam zu
Schaden.
Acht
Soldaten, die in
strengster
militärischer
Art und Weise
und mit noch nie
gesehener
Präzision in
ihren
Bewegungen, die
olympische
Flagge herein
führten und
hissten,
leiteten den
Höhepunkt der
Eröffnungsfeier
ein. Eines der
best gehüteten
Geheimnisse
aller Spiele ist
die Zeremonie
der
Flammenentfachung.
Alle Menschen
hielten im
dunklen
Lichtermeer des
Stadions inne,
eine Weile
geschah nichts
und die Spannung
stieg. Ein
erstauntes
Raunen ging
durch die Menge
als
schlussendlich
Chinas
olympischer
Erfolgs-Turner
von 1984, Li
Ning, in
unkonventioneller
Weise und in
akrobatischem
„Höhen-Wandlauf“,
das Feuer im
National Stadion
entfachte.
Die Spiele waren
eröffnet, 302
Medaillenentscheidungen
folgten.
Das Anfangs
angesprochene
Feuerwerk
dauerte in
Wirklichkeit 60
Sekunden.
Zuhause wieder
angekommen wurde
ich des Öfteren
auf das
fantastische
Feuerwerk
angesprochen.
Ich entgegnete
diese Ansicht
meist und
wunderte mich
stets. Später
erinnerte ich
mich, dass ich
am Vortag ein
Feuerwerk über
längere Zeit
wahrnahm, ich
dies aber als
Probelauf für
die Eröffnung
abtat. Nun kann
ich die
Widersprüchlichkeit
lösen. Um Pannen
vorzugreifen
spielte die
Organisation
wohl das
Feuerwerk vom
„Probelauf“ ein
;-)
Neben den
olympischen
Sportstätten
glänzte auch das
16.000 Betten
fassende
olympische Dorf.
Ich kannte
Peking bereits
vom Weltcup im
Frühjahr und war
deshalb umso
mehr positiv
überrascht als
ich am 5. August
mein Zimmer im
olympic village
bezog. Als
geborener
Walchseer bin
ich ländliche
Häuser, gebettet
in den Tälern
der Tiroler
Berge gewohnt
und fühle mich
Zuhause am
wohlsten. Mit
aufwendig und
zugleich
liebevoll
gestalteten
Parkanlagen
haben es die
Chinesen
geschafft, dass
ich mich auch in
Peking wohl
fühlte. Für
alles wurde
gesorgt, nur
Wäsche
waschen und
bügeln durften
wir selber, was
aber in so
mancher
Leerlaufzeit für
willkommene
Abwechslung
sorgte.
Die größte
Ansammlung an
Athleten gab es
täglich im
Essenszelt, das
eine Dimension
von drei
Fußballfeldern
aufwies und
Platz für 6.000
Personen bot.
Unser Favorit
war von Beginn
an die Peking
Ente, die wir
wegen einer der
Frühlingsrolle
sehr ähnlichen
Art und Weise
des Anrichtens
in den ersten
Tagen fälschlich
auch als solche
bezeichneten. Ob
mediterran oder
asiatisch, alles
war 24 Stunden
am Tag frisch
zubereitet zu
haben. Die
Zahlen sind
beeindruckend:
Unter anderem 16
Tonnen
Peking-Ente,
fast eine
Million Bananen
und über 800.000
Eier bekamen
Athleten,
Trainer und
Medienvertreter
aus aller Welt
während der
Olympischen
Spiele und der
Paraolympics
serviert. Selbst
ein MC Donalds
erntete bei
einem Big
Mac-Index von
Null Euro und
dem
Fortschreiten
der
Medaillenentscheidungen
immer mehr
Zuspruch von den
„Bürgern“ des
olympischen
Dorfs.
Polizei oder
Militär waren
selten zu sehen,
bei dem
täglichen
Check-In in das
olympische Dorf
zogen sie jedoch
sämtliche
Register. Als
erstes stand die
Gesichtskontrolle
mit einer
ungewohnten
Disziplin der
Security an,
sogar
Kopfbedeckungen,
Sonnenbrillen
und dergleichen
waren
abzunehmen.
Danach wurde die
ID-Card gescannt
und abschließend
wurde Gepäck und
Mensch, ähnlich
dem
Kontrollprozedere
an Flughäfen,
durchleuchtet.
China
wurde ihrer
Rolle als
Gastgeberland in
allen Belangen
mehr als gerecht
und ließen die
zweieinhalb
Wochen die ich
in Peking
verbrachte wie
im Flug
vergehen.
Euer
Christian
01.10.2007Ein
Jahr vor Peking
Dass es
nicht einmal
mehr ein Jahr
bis zu den
olympischen
Spielen in
Peking dauert,
zeigte das
Organisationskomitee
der ganzen Welt
mit einer
prachtvollen
Einleitung des
Countdowns. Mich
muss man
natürlich nicht
extra daran
erinnern, dass
am 08.08.08 die
Eröffnung und am
11.08.08 der
erste Wettkampf
am Programm
stehen. Der
grobe
Vorbereitungsplan,
der wichtige
Aspekte wie z.B.
Techniktraining,
Mentale
Vorbereitung,
Material usw.
beinhaltet,
steht und gibt
mir die Richtung
nach Peking vor.
Nicht
nur für mich,
sondern auch für
Mario Knögler
und Thomas
Farnik war das
frühzeitige
Erringen der
begehrten
Quotenplätze im
letzten Jahr
sehr hilfreich.
So konnte ich in
diesem Jahr
verschiedene
Tests am
Materialsektor
durchführen und
auch an meinen
Anschlägen
basteln. Manches
war erfolgreich
und anderes
insofern
erfolgreich,
weil es mir
aufzeigte, dass
es so nicht
funktioniert ;-)
Aus den
gewonnenen
Erkenntnissen
der Saison
sollte es mir
bis Ende des
Jahres gelingen,
den richtigen
Materialcocktail
zu mixen.
Trödeln
ist nicht
erlaubt, es gilt
in den noch
„wenigen“
verbleibenden
Wochen die Zeit
sinnvoll zu
nutzen – sich
aber nur auf das
Wesentliche zu
konzentrieren.
Das Wesentliche
bedeutet, die
vielen im Kopf
geborenen Ideen
richtig
abzuwägen, um so
nicht Energie in
Unnötiges zu
investieren. Um
bei den stetig
steigenden
Leistungen nicht
ins Abseits zu
geraten, wäre es
sehr wohl
richtig alles
erdenklich zu
versuchen.
In
anderen
führenden
Nationen stehen
für
Materialtests
und Umsetzung
innovativer
Ideen meist
fachkundige und
engagierte
Betreuerstäbe
hinter den
Sportlern, die
es ihnen
ermöglichen,
sich alleinig
auf das Training
zu
konzentrieren.
Tatsache ist,
dass mir eine
solche Struktur
nicht zur
Verfügung steht
und ich, um alle
Ideen in meinem
mir zur
Verfügung
stehenden
Zeitrahmen
verwirklichen zu
können,
nie mehr zum
Training am
Schießstand
stehen würde. Da
aber am Tag X,
dass Material
nicht den
größten
Leistungsbestimmenden
Faktor
darstellen wird,
erscheint es mir
in diesem Fall
äußerst
sinnvoll, an den
bestehenden
Stärken
anzusetzen,
diese zu
festigen und
auszubauen J
In diesem Sinne
werde ich die
nächsten zwei
Wochen Pause
noch genießen
und wünsche
allen Schützen
einen
erfolgreichen
Start in die
neue
Luftgewehr-Saison!
Euer
Christian
07.04.2006
Bundesliga
die Zukunft,
Tiroler
Landesliga ein
Schritt in diese
Richtung
Nach
langjähriger
Abstinenz der
Tiroler
Landesliga im
Terminkalender
der Tiroler
Sportschützen
wurde sie vor
vier Jahren von
Landessportleiter
Luftgewehr,
Walter
Suppersberger,
wieder ins Leben
gerufen.
Die Philosophie
war, die
Österreichweit
gesehene hohe
Leistungsdichte
unseres Landes
der
Öffentlichkeit
näher zu
bringen, den
Vereinen in
Tirol neue und
zusätzliche
Motivation zu
geben und den
Sportschützen in
Tirol weitere
qualitativ
hochwertige
Wettkämpfe zu
bieten.
Um den Gegnern
einer Landesliga
Wind aus den
Segeln zu nehmen
wurden die
Wettkämpfe an
fünf Samstagen,
je einer
verteilt auf die
Monate November
bis März, auf
dem Schießstand
der Innsbrucker
Hauptschützengesellschaft
in Arzl
ausgetragen. Mit
dieser Verlegung
der
Wettkampftage
von unter der
Woche auf
Samstag und das
Zusammenlegen
der Wettkämpfe
auf einen
Austragungsort,
statt wie früher
bei den
einzelnen
Vereinen, wurde
die Basis der
„Landesliga Neu“
geschaffen.
Weiters neu für
die Sportler war
die Gegebenheit,
dass die
Wettkämpfe nicht
mehr im stillen
Vereinsschießstand
stattfanden,
sondern sie ihr
Können vor einem
zwar noch
kleinen aber
umso mehr
interessierten
Publikum zur
Schau stellen
durften. Wie
gerade erwähnt,
war es am
Schießstand
nicht mehr
still, denn
durch die
laufenden
Durchsagen der
Ergebnisse wurde
zudem noch die
psychische
Belastung der
Sportschützen
gefordert -
jeder wusste von
nun an wie die
jeweilige
Sportlerin/Sportler
bzw. seine
Mannschaft im
Rennen lag.
In den ersten
Jahren, nachdem
die ersten
Runden vorüber
waren, die erste
Euphorie
nachließ und
sich die
vorderen
Platzierungen
mehr und mehr
herauskristallisierten,
traten bei den
letzten
Wettkämpfen
einer
Landesligasaison
nicht immer alle
Mannschaften an.
Doch war der
Durchhänger nur
von kurzer
Dauer, die
Mannschaften
honorierten
immer mehr die
Bedeutung und
Wichtigkeit der
Wettkämpfe durch
das stetige
Teilnehmen an
allen Runden.
Der Versuch die
Tiroler
Landesliga
wieder zu
aktivieren hat
sich nun
gelohnt.
Walter
Suppersberger
setzte mit dem
neuen Konzept
mutig einen
notweniger
Schritt in
Richtung Zukunft
der Tiroler
Landesliga. Die
ersten drei
Jahre gewann
jene Mannschaft
die nach
Absolvieren
aller Runden die
meisten Ringe
vorweisen konnte
und fand einen
würdigen
dreifachen
Meister, die SG
Bruckhäusl.
Heute wird, ein
wenig aus der
deutschen
Bundesliga
abgekupfert, der
Sieger mittels
Punkte
ermittelt. Die
Mannschaften
treten seit dem
vierten Jahr der
„Landesliga Neu“
gegeneinander
an, nicht nur
das, auch die
Sportler einer
Mannschaft
kämpfen gegen
einen
unmittelbaren
Schützen der
gerade
konkurrierenden
Mannschaft um
die wertvollen
Punkte für die
eigene
Mannschaft nach
Hause zu holen.
Die Nummer 1 der
Mannschaft A
tritt gegen die
Nummer 1 der
Mannschaft B an,
Nummer 2 gegen
Nummer 2, usw..
Auf jede Paarung
und der
Gesamtringanzahl
der Mannschaft
werden zwei
Punkte vergeben
und ermöglichen
es einer
Mannschaft mit
einem Maximum
von 10:0 zu
gewinnen.
Den ersten
Meistertitel in
diesem neuen
Modus trug die
Mannschaft der
SG Umhausen
davon.
Der Konsens
aller
teilnehmenden
Schützen stimmte
meist überein:
Hart, spannend
und
leistungsfördernd
für den
jeweiligen
Sportler.
Sicher wird die
eingebrachte
Modusänderung in
der Tiroler
Landesliga nicht
die letzte sein.
Vielmehr vermute
ich ein
langsames
Herantasten an
den Modus der
deutschen
Bundesliga, in
der man bereits
seit einigen
Jahren nicht im
gemütlichen
Schützenheim
bleibt, sondern
durch das
Verlegen des
Wettkampfortes
in große
Sporthallen die
Show zum
Publikum trägt.
Dank modernster
elektronischer
Schussanzeigen
werden diese
Wettkämpfe zu
Events für
jedermann und
jederfrau.
In Szene
gesetzter
Einmarsch der
Schützen durch
Musik, Licht und
Nebel, ständiges
Informieren über
den aktuellen
Stand des
Wettkampfs durch
Bildschirme,
Videobeamer und
Platzsprecher,
applaudierende,
rasselnde,
hupende, jeden
Schuss
kommentierende
Fans - machen
dem Schützen das
Leben schwer.
Aber umso
eindrucksvoller
wohl für das
Publikum, wenn
es sieht welche
Leistungen von
den
Sportschützen zu
Tage gelegt
werden.
„Einen ähnlichen
Wettkampf wie
die deutsche
Bundesliga in
Tirol zu machen
ist unmöglich“,
werden einige
sagen, doch das
Gegenteil hat
schon die SG
Münster
bewiesen, die
mit der Idee der
Inszenierung und
der Durchführung
des Alpencups im
Jahr 2004 wahre
Pionierarbeit
geleistet hat um
nicht zu sagen
sie hat sich
damit sogar ein
Denkmal gesetzt.
Von höchsten
Stellen des
österreichischen
Schützenwesens
wurde ihnen
gratuliert und
gleichzeitig
versprochen
diese Idee
aufzunehmen und
jährlich einmal
an anderen Orten
in Österreich
stattfinden zu
lassen, passiert
ist nichts…
Es gibt
wahrscheinlich
einen einzigen,
aber dafür umso
schwerwiegenderen
Grund und der
ist im
finanziellen
Bereich zu
suchen. Klar, so
ein
Wettkampfwochenende
würde ein
kleines Loch in
fast jede
Vereinskassa
fressen, doch
wenn keiner den
Stein „geben und
geben lassen“
mit Sponsoren,
ins Rollen
bringt, wird
sich das Rad
weiterhin so
träge bewegen
wie jetzt.
Um in Tirol die
Landesliga
jedoch in solche
Sphären
aufsteigen zu
lassen, wie
gerade in den
oberen Zeilen
beschrieben,
wird es nötig
sein eine
österreichische
Bundesliga zu
erschaffen…
Bis bald - Euer
Christian
15.08.2005
Fast hätte
man den ganzen
Rummel um die
Regelerneuerung
2005 in Sachen
Steifigkeitsmessung
der
Schießbekleidung
vergessen…
Fast hätten wir
Österreicher
unseren
Mannschaftseuropameistertitel
im 3 x 40 in
überlegener
Manier
verteidigt…
…wären wir nicht
am 10. Juli bei
den
Europameisterschaften
in Belgrad
disqualifiziert
worden.
Der 10. Juli
chronologisch
aufgelistet:
ca. 12:05 Uhr –
Ich hatte meinen
letzten Schuss
im
Kniendanschlag
absolviert.
Gleich im
Anschluss
informierte mich
unser Betreuer
über den Stand
der Dinge:
„Mario 1171
Ringe, Thomas
1170 Ringe,
wahrscheinlich
seid ihr
Mannschaftseuropameister“
ca. 12:15 Uhr –
Es stand
fest, wir haben
mit 1504 Ringe
zwar knapp
unseren eigenen
Weltrekord
verfehlt, jedoch
mit 7 Ringe
Vorsprung auf
Russland
gewonnen. Es war
Perfekt, wir
wurden unserer
Favoritenrolle
gerecht und
feierten deshalb
schon ein wenig
vor.
ca. 12:30 Uhr –
Nachdem ich
mein
Kleinkaliber
versorgt und
meine Ausrüstung
verstaut hatte,
ging ich vor ins
Restaurant, um
mir mein
wohlverdientes
Cola light zu
genehmigen.
ca. 12:50 Uhr –
bekam ich
die Nachricht
über
Schwierigkeiten
von Thomas bei
der
Nachkontrolle.
Da ich wusste,
dass er noch nie
Probleme mit
seiner
Ausrüstung
hatte, machte
ich mir nicht
wirklich Sorgen.
Um mir ein Bild
darüber zu
machen, ob ich
jetzt ein Opfer
eines Scherzes
sei oder nicht,
ging ich doch
noch zur
Bekleidungskontrolle.
ca. 12:55 Uhr –
Eintreffen
an der
Ausrüstungskontrolle.
Tatsächlich,
Thomas an der
Kontrolle.
20 min.
Diskussionen,
die mit den
Worten:“ Was
machen wir
Thomas? Die
Russen schauen
mir zu, ich kann
dich nicht gut
durchlassen…“
eines
verantwortlichen
Jurymitglieds
beendet wurden.
Die Jury zog
sich zur
Beratung zurück,
Thomas wartete
auf einen
ordnungsgemäßen
Bescheid und ich
begab mich
wieder auf den
Schießstand um
meine Ausrüstung
Flugtauglich zu
machen.
ca. 13:35 –
Uhr Thomas
Farnik war auf
der Liste der
Finalteilnehmer
nicht zu finden.
Anscheinend
hatte man ihn
disqualifiziert
und
wahrscheinlich
unsere
Mannschaft noch
dazu. Thomas
selbst wartete
immer noch bei
der
Bekleidungskontrolle
auf einen klaren
Entscheid…
Wären mir an
dieser
Geschichte nur
ein oder zwei
Kleinigkeiten
Suspekt, würde
ich sagen, dass
Thomas die
Verantwortung
für unsere
Disqualifikation
tragen müsse und
der Inhalt
meiner fünften
Kolumne würde in
eine andere
Richtung
steuern. Je mehr
ich aber darüber
nachdenke, mit
anderen Personen
darüber spreche
und mir die
verschiedensten
Informationen
zusammen trage,
wird mir klar,
dass sehr viele
Sachen nichts
mit
professioneller
Arbeit hinter
den Kulissen zu
tun hat.
Es gibt meiner
Ansicht nach 3
verschieden
Hauptansätze,
die unsere
Disqualifikation
in Frage
stellen.
Regelwerk,
Übergangsbestimmung
und Auslegung:
Laut den
ISSF Reglement
2005-2008 sollte
eine
Regelkonforme
Messung wie
folgt ablaufen:
Falls bei einem
Bekleidungsstück
nicht bereits
bei der ersten
Messung der Wert
von 3,0 mm oder
darüber erreicht
wird, muss die
betreffende
Jacke oder Hose
für einen
Zeitraum von 5
Minuten bis zur
nächsten Messung
abgelegt werden.
Während dieser
Zeit darf das
Bekleidungsstück
nicht den
Kontrollraum
verlassen und
eine Bearbeitung
des Materials,
die nur eine
vorübergehende
Erweichung
erzielt, ist
ebenfalls nicht
gestattet. Wird
der Mindestwert
auch bei der
zweiten
Überprüfung
nicht erreicht,
kommt es nach
wiederum 5
Minuten Pause
zur dritten und
letzten Messung,
die bei einem
Ergebnis von 2,9
mm und darunter
eine
Disqualifikation
nach sich zieht.
Jedoch gibt es
eine
Veröffentlichung
seitens der ISSF
mit der
Überschrift „A
Special Report –
New Rifle
Shooter Clothing
Testing
Procedures“ in
der das
Kontrollprozedere
für die
Übergangsperiode,
die mit Anfang
des Jahres 2005
bis zum
Weltcup-Finale
München Ende
August 2005
definiert ist,
beschrieben
wird. Dieses
„Special
Equipment
Control Rifle
Clothing Testing
Procedures“
sollte dem
internationalen
Verband helfen
Erfahrungen zu
sammeln und uns
Schützen die
Chance geben
unsere
Ausrüstung auf
das neue
Reglement
abzustimmen.
Da die
Bekleidung von
Thomas bei der
Kontrolle vor
dem Wettkampf
für in Ordnung
befunden wurde,
ist aus der
Übergangsbestimmung
leider nicht
klar zu
erkennen, wie
das Reglement in
seinem Fall und
unserer
Mannschaft zu
handhaben
gewesen wäre.
Klar ist aber,
wie ihr am unten
angeführten
Auszug erkennen
könnt, dass
unserer
Disqualifikation
nicht unbedingt
dem Wunsch der
ISSF und dem
Sinn einer
sportlichen
Lösung
nachgekommen
ist.
o Punkt 2: Wenn
die Bekleidung
eines Schützen
anhand der
Überprüfung für
zu Steif
befunden wird,
darf dieser eine
Ersatzbekleidung
zur Kontrolle
vorlegen.
o Punkt 3: Fällt
bei der
Bekleidungskontrolle
die Erst- und
Ersatzausrüstung
durch, wird der
Schütze
schriftlich
verwarnt. Darf
aber am
Wettkampf
teilnehmen.
o Punkt 5:
Steigt ein
Schütze, der
bereits
schriftlich
Verwarnt wurde,
ins Finale auf,
muss dieser mit
seiner
Bekleidung zur
Nachkontrolle.
Wird die
Bekleidung bei
der
Nachkontrolle
für in Ordnung
befunden, darf
der Schütze im
Finale antreten.
o Punkt 6: In
diesem Punkt
wird
beschrieben,
dass ein
Schütze, der die
Nachkontrolle
nicht besteht,
aus dem
Wettkampf
genommen wird
und nicht am
Finale
teilnehmen darf,
so wie es mit
Thomas geschehen
ist. Es geht
aber nicht
heraus, ob der
Schütze im
Vorhinein
schriftlich
verwarnt worden
sein muss (Was
bei Thomas nicht
der Fall war),
oder die
Disqualifikation
auch ohne
Verwarnung
gültig ist.
o Punkt 7: Von
Seiten der ISSF
bleibt es den
kontinentalen
Verbänden
überlassen wie
dieses Prozedere
bei
Teamentscheidungen
während einer
kontinentalen
Meisterschaft
gehandhabt wird.
Da bleibt die
Frage:
Hat sich die ESC
schon vor der
Europameisterschaft
Gedanken darüber
gemacht ob eine
Mannschaft wegen
eines
Regelverstoßes
eines Einzigen
disqualifiziert
werden soll,
oder wurde von
der Jury vor Ort
aus dem Bauch
heraus
entschieden???
und sind dann
die
Jurymitglieder,
die eventuell
aus dem Bauch
heraus
entscheidet,
auch
gleichzeitig der
kontinentale
Verband, in
unserem Fall die
ESC???
o Punkt 9: Ab
dem
Weltcup-Finale
2005 wird von
der
Übergangsregelung
Abstand genommen
und es werden
keine
schriftlichen
Verwarnungen
mehr
ausgestellt.
Weder im
Regelwerk
2005-2008 der
ISSF, oder in
veröffentlichten
Schreiben, die
sich auf die
Regelerneuerungen
2005 beziehen,
ist eine klar
definierte
Zeitdauer einer
einzelnen
Steifigkeitsmessung
zu finden.
Normalerweise
stellt eine
genormte
Messdauer bei
einer
Materialprüfungen
eine wesentliche
Einheit dar,
doch wird in
unserer
Angelegenheit
immer nur davon
gesprochen, dass
ein Prüfgewicht
mit einem
genormten Dorn
langsam auf die
Prüfflächen
abzulassen ist
und es dem
Messgerät
gestattet werden
soll, sich eine
weile setzten zu
lassen… ??? Was
nichts anderes
bedeutet, dass
es in manchen
Fällen der
Willkür des
zuständigen
Kontrollierenden
überlassen
bleibt, ob die
Ausrüstung eines
Schützen die
Materialprüfung
nun besteht oder
nicht. Auf
keinem Fall
möchte ich den
Kampfrichtern
einen Hang zur
Gehässigkeit in
diese Richtung
aussprechen, im
Gegenteil, ich
habe es noch nie
erlebt, dass
jemand auf diese
Art und Weise
geschnitten
wurde. Was ich
aber hier
festhalten
möchte, ist,
dass eine
genormte
Messdauer einer
einzelnen
Messung für ein
kontinuierliches
und faires
Kontrollprozedere
unumgänglich
ist, und wer
weiß was
geschehen wäre,
hätte die
Messung bei
Thomas 10
Sekunden länger
gedauert.
Äußerst
unprofessionell
empfinde ich die
Tatsache, dass
während einer
Nachkontrolle
weder ein
Protokoll über
die Messungen
geführt wird,
noch das
Messgerät die
vorherigen Werte
abspeichert. Bei
eventuellen
Streitigkeiten
ist es unmöglich
den genauen
Ablauf einer
Kontrolle
nachzuvollziehen.
Weiters aus
einem Schreiben
der ISSF (Guidelines
for uniform
equipment
control), und
einer
Veröffentlichung
im UIT Journal
6/96, geht unter
3.6. eine
Anweisung
hervor, die
effiziente und
gleich bleibende
Messwerte
garantieren
soll. Unter
Punkt 2 ist zu
finden, dass die
Bekleidung von
außen nach innen
gemessen werden
muss…
Bei Thomas wurde
die ganze Zeit
von innen nach
außen
gemessen!!!
Messgerät:
In unserem Sport
kann man Erfolge
zwar nur in
Taschengeld
ummünzen und
dadurch
höchstens seinen
Sport
finanzieren,
doch sollte die
sportliche Ehre
Grund genug
sein, dass alle
verwendeten
Steifigkeitsprüfgeräte
nicht nur von
der ISSF
genehmigt,
sondern auch
zusätzlich von
staatlich
beeideten
Prüfanstalten
geeicht und mit
einem Zertifikat
versehen werden.
Selbst wenn alle
Geräte geeicht
sind, verlieren
die Zertifikate
meines Erachtens
an Bedeutung,
sobald die
Geräte einmal
zerlegt, oder
sogar
Eigenständig
abgeändert
worden sind, und
diese nicht
einer
neuerlichen
Überprüfung
einer
unabhängigen
Institution
unterzogen
wurden. Die
Anfälligkeit
dieser Maschinen
wurde schon
öfters unter
Beweis gestellt.
Einmal anhand
von Fotos, die
Kampfrichter an
der EM in
Belgrad zeigen
während sie, aus
welchem Grund
auch immer, das
Steifigkeitsprüfgerät
zerlegten. Und
weiters mit
einer kleinen
Geschichte die
sich beim
Weltcup in Fort
Benning
zugetragen
hatte.
Ein Teammitglied
unserer
Mannschaft
wusste, dass
seine neue
Bekleidung sehr
am Limit war und
ging mit diesem
Wissen zur
Bekleidungskontrolle.
Bei den
Messungen
brachte das
Prüfgerät
durchwegs Werte
unter 2,0 mm zu
Tage. Der
Schütze fackelte
nicht lange
herum und
schnitt bei
Jacke und Hose
das komplette
Innenfutter
heraus. Trotz
der permanent
Veränderung
seiner
Bekleidung, die
mit Steif nichts
mehr zu tun
hatte, stellte
sich am
Prüfgerät fast
das gleich Bild
ein: Werte um
2,0 mm. Das
ganze
österreichische
Team half
zusammen, wir
klopften und
rieben seine
Ausrüstung
weicher. Bei der
dritten Messung
kam er gerade so
durch. Zwei Tage
später musste er
zur
Nachkontrolle,
die Werte: 5,0
mm, 6,0 mm und
sogar weicher.
Auf seine Frage,
weshalb er am
ersten Tag
gerade so
durchgekommen
ist und sich die
Werte so
drastisch
verändert haben,
bekam er vom
Kampfrichter
folgende
Antwort: „Er
dürfe es
eigentlich nicht
weitersagen,
doch an diesem
besagten Tag
mussten sie
feststellen,
dass kleine
Steinchen im
Gehäuse
verhinderten,
wahrheitsgemäße
Werte
wiederzugeben“…
ca. € 1.000,-
Schaden
Ein weiteres
Beispiel,
diesmal als
Beleg für die
Messunterschiede
von Prüfgerät zu
Prüfgerät.
Ein anderes
Mitlied der
österreichischen
Nationalmannschaft
legte sich
kürzlich eine
neue
Schießbekleidung
von einer
Schweizer Firma
zu. Diese Firma
kontrolliert
seine Produkte
mit einem Gerät
desselben
Herstellers der
auch die ISSF
beliefert. An
der
Bekleidungskontrolle
in Belgrad
angekommen
musste auch er
seine Jacke und
Hose
zerschneiden…
wieder ein
Schaden von ca.
€ 1.000,-
Wieso diese
Unterschiede
zwischen den
Steifigkeitsprüfgeräten
bestehen und es
manchmal zu
Störungen in der
Messmechanik
kommt, konnte
mir der
Hersteller
dieser
Messgeräte
eindeutig
beantworten.
Die Wichtigste
Information für
mich war, dass
der Aufbau des
Messgerätes
immer derselbe
ist, es aber
zwei
Generationen mit
unterschiedlicher
Ausführung gibt.
In der ersten
Generation
versuchte er das
Steifigkeitsprüfgerät
so zu bauen,
dass es so gut
wie möglich den
von der ISSF
genormten
Abmessungen
entspricht. Als
bekannt wurde,
dass obwohl der
Messkopf genau
den
vorgeschriebenen
1000 g Gewicht
entspricht,
jedoch wegen der
Reibung und des
Gegendrucks der
Feder, welche
den Messfühler
oben hält, keine
tatsächlichen
1000 g Messdruck
nach unten
ausgeübt werden,
verfeinerte er
seine
Konstruktion.
Somit misst die
neue Generation
mit fast 100%
des 1000 g
schweren
Prüfkopfs und im
Zuge dessen
wurden auch die
Messstörungen
ausgemerzt. Um
Messunterschiede
zu vermeiden,
empfahl der
Hersteller der
Steifigkeitsprüfgeräte
noch vor der EM
in Belgrad
mittels eines
Schreibens an
die ISSF, nur
noch die neuen
Geräte zu
verwenden.
Gleichbehandlung
der Sportler?
Ein Fall, in den
es darum geht,
wie Schützen
unterschiedlich
behandelt wurden
ist allein schon
mir bekannt. Wer
weiß, wie viele
Zwielichtigen
Situationen es
tatsächlich
schon gegeben
hat….
Beispiel einer
Bekleidungskontrolle
vor dem
Wettkampf:
Die erste
Messung eines
Schützen ergab
2,5 mm, bei der
zweiten Messung
waren es sogar
nur noch 0,9 mm.
Für die dritte
Messung wurde
ein Jurymitglied
geholt der die
letzte Messung
beaufsichtigte.
Wieder wurde
nicht der
Mindestwert von
3,0 sondern nur
2,8 mm erreicht.
Der Schütze
wurde nicht mit
einer
schriftlichen
Verwarnung
versehen und mit
den Worten: „Wir
wissen ja das
wir hier eine
hohe
Luftfeuchtigkeit
haben, das passt
schon“ für den
Wettkampf
zugelassen….
Resümee:
Ich bin nicht
beleidigt weil
ich in Belgrad
keine Medaille
erringen konnte,
als Sportler
lernt man auch
Niederlagen zu
verarbeiten, man
darf aber die
momentane Form
der
österreichischen
Schützen nicht
als
selbstverständlich
hinnehmen und
eine schon fast
in Händen
gehalten
Medaille
verschenken.
Jede Medaille an
einem
internationalen
Großereignis
stellt für jeden
Sportler ein
großes Erlebnis
in seinem Leben
dar. Allein der
Gedanke an die
Ungerechtigkeiten
die uns
widerfahren ist
und mit welcher
Unbekümmertheit
so mancher
Verantwortlicher
aus den
Funktionärsriegen
seine Arbeit
vollbringt und
somit die
Investitionen in
Material und
Zeit, Bemühungen
und hartes
Training eines
jeden Sportlers
zunichte machen
kann, bereitet
mir schlaflose
Nächte…
Euer Christian
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