Vita Christian Planer

Als ich am 15. Mai 1975 in Kufstein das Licht der Welt erblickte, hatten meine Eltern Ingeborg und Christian wohl noch keine Ahnung, wie viele Nerven ich sie in Zukunft kosten würde. In meiner Kindheit, aber vor allem beim Mitfiebern bei meinen Wettkämpfen, wäre es für sie gesünder gewesen, nicht hinzuschauen...

Aufgewachsen bin ich in Walchsee in Österreich, diese wunderschöne, von Bergen umringte Gemeinde, bildet auch jetzt noch meine „Oase der Ruhe“, wenn ich nicht gerade irgendwo in der Welt auf Reisen bin.

Begonnen hat meine sportliche Karriere aber nicht mit dem Gewehr, sondern mit dem nordischen Langlauf. Ich trainierte damals im Alter von 9 Jahren schon sehr gewissenhaft mit Trainingsplan und mit Unterstützung meines Vaters. Leider war ich aber zu verbissen, kurierte in der Saison 1984/85 eine Verkühlung nicht zur Gänze aus und war dadurch gezwungen, meine Bretter ins Eck zu stellen.
Lange musste ich aber auf meine neue Herausforderung nicht warten und kam durch meine Freunde zum Schießsport.

Am Anfang stand der sportliche Vergleich und der Spaß mit meinen Kollegen im Vordergrund, später bildeten auch die Mädchen eine „Zusatzmotivation“, die mich dazu bewegte, kein Training auszulassen...

In diesem Zeitraum schuf mein Jugendtrainer Karl Weiss etwas Aussergewöhnliches. Er verstand es, ohne Hilfe irgendwelcher Helden des Schießsports die regelmässig im Zentrum der Medien standen (weil zu dieser Zeit noch nicht vorhanden), in uns die Idee einer Olympischen Medaille zu wecken.

1990 begann ich meine Lehre zum Büchsenmacher bei der Firma Furtschegger in Kufstein, wo ich viel Unterstützung durch meinen Chef fand, der mir anstandslos zu all meinen Wettkämpfen Urlaub gab.

Im Januar 1994 rückte ich ins Österreichische Bundesheer ein und wurde im Februar `94 zum heiss ersehnten Heeressportzentrum, damals noch unter dem Namen Heeressport und Nahkampfschule bekannt, versetzt. Dass ich beim ÖBH nicht die gesamte Grundausbildung von 8 Monaten in der Truppe verbringen musste, sondern den Status Leistungssportler bekommen habe, war wegen meiner damals noch mittelmässigen Leistungen nicht selbstverständlch und ist nur denjenigen Personen zu verdanken, die zu diesem Zeitpunkt schon fest von mir überzeugt waren. Mein Dienstgrad ist Zugsführer.

Im Jahre 1995 konnte ich mir, in meinem letzten Jahr als Junior, einen kleinen Traum erfüllen und schaffte meine ersten Qualifikationen zur Luftgewehr-Europameisterschaft in Helsinki und der Kleinkaliber-Europameisterschaft in Zürich. Bei meiner ersten EM, also in Helsinki, belegte ich Rang 24 und bei der Kleinkaliber-EM landete ich auf Rang 16, allerdings war ich dort nach zwei Drittel der Wettkampfdistanz sogar schon auf Rang 2 zu finden.

Seit meiner Einberufung beim ÖBH und der daraus resultierenden Möglichkeit, meinem Hobby als Beruf nachgehen zu können, wuchs meine Leistungsfähigkeit stetig. Der Leistungsanstieg ist aber auch mit drei markanten Punkten in Verbindung zu stellen:

1. 1998 kaufte ich mir bei einem Wettkampf in Dortmund das Buch „Wege des Gewehrs“, das ich bei der Heimreise im Zug förmlich gefressen habe. Die Umsetzung der daraus gewonnenen Erkenntnisse brachte mich einen Monat später zur ersten Einzelmedaille bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften in einer olympischen Disziplin (allg. Klasse).

2. 1999 begann ich mit der Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen. Dr. Christopher Willis ist es gelungen, mein damals noch sehr negativ geprägtes Wettkampfverhalten zu ändern. Die Konsequenz: Ich qualifizierte mich zu meiner ersten Europameisterschaft in der allgemeinen Klasse, die in Bordeaux ausgetragen wurde.

3. Ende 2001 war ich nahe an einer Beendigung meiner Karriere als Sportschütze. Aus dem Nichts heraus stellte ich mir die Fragen: Was machst Du da? Und welchen Sinn hat es? Nach einer mehrwöchigen Phase der „Selbstfindung“ fand ich zwar keine wirkliche Antwort, die in mir vollste Zufriedenheit auslöste, hatte aber wieder Freude und Spass am Training. Seit diesem kleinen „time out“ konnte ich meine Ergebnisse endgültig mit denen der Weltspitze auf eine Stufe setzen. Mein Anlauf auf die Spiele in Athen hatte begonnen...

Dann kam das Jahr 2003, das wohl Wichtigste in meinem Sportlerdasein. Mein erster Podestplatz bei einem Weltcup, nämlich Rang 3 in Changwon/Korea. Zwei Wochen später die EM in Pilsen, 2-facher Europameister im Team mit jeweils Weltrekord im Kleinkaliber, Vizeeuropameister mit dem Grosskaliber und 2-facher Bronzemedaillengewinner im Team mit dem Grosskaliber. In den Medien hiess es: „Ein Stern ging auf.“ Der Medaillenregen war etwas Besonderes, doch am meisten bedeutete mir das Erreichen der Olympiaqualifikation mit Rang 8 im Kleinkaliber-Liegendmatch.

2004 ging mein Traum in Erfüllung... Bronzemedaille bei den olympischen Spielen in Athen...